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Rekindly 0.3, und was es heißt, an jemanden zu denken

Fragen fürs nächste Mal, Hochzeitstage, Todestage und andere Tage, die man nicht vergessen möchte, ein Schalter für das, woran man nicht erinnert werden will, und ein paar Gedanken darüber, was eine Software dabei leisten kann und was nicht.


Rekindly 0.3 ist da. Es sind diesmal nur wenige neue Funktionen, aber es sind die, bei denen es am deutlichsten um Menschen geht und am wenigsten um Daten. Deshalb möchte ich weniger darüber schreiben, wie sie funktionieren, und mehr darüber, wofür sie da sind.

Die Frage, die man stellen wollte

Jeder kennt diesen Moment: Man legt auf, und eine Minute später fällt einem ein, was man eigentlich fragen wollte. Wie die Prüfung gelaufen ist. Ob der Umzug geklappt hat. Wie es dem Vater nach der Operation geht. Die Frage war da, sie hat nur den Weg ins Gespräch nicht gefunden.

Dafür gibt es jetzt „Nächstes Mal fragen“. Du notierst eine Frage, wann immer sie dir einfällt, beim Spazierengehen, nach einer Nachricht, abends auf dem Sofa, und beim nächsten Mal steht sie ganz oben im Briefing, noch vor allem anderen. Wer gerade eine Notiz schreibt, hält sie mit /frag gleich mit fest.

Ich glaube, eine Frage ist die kleinste Form von Zuwendung, die es gibt. Ein Fakt sagt: Ich weiß etwas über dich. Eine Frage sagt: Ich habe zugehört, und es ist mir nicht egal, wie es ausgegangen ist. Fakten sind abgeschlossen, Fragen sind offen. Sie lassen dem anderen den Raum, selbst zu erzählen, und manchmal ist die Antwort eine ganz andere, als man erwartet hat.

Deshalb verschwindet eine abgehakte Frage auch nicht einfach. Wenn du magst, schreibst du die Antwort dazu, und beides landet als Notiz im Verlauf. So wird aus der Frage ein Stück gemeinsamer Geschichte, und beim übernächsten Mal weißt du, wo ihr stehen geblieben seid.

Tage, die anderen wichtig sind

Geburtstage feiert man laut. Es gibt Kuchen und Nachrichten, manchmal zu viele. Andere Tage sind leiser: der Hochzeitstag von Freunden, der Tag, an dem jemand seine eigene Werkstatt eröffnet hat, der Namenstag einer Großmutter, für die er mehr zählt als der Geburtstag. Und dann gibt es die Tage, die niemand feiert.

Wer einen Menschen verloren hat, erlebt das erste Jahr danach oft als eine Zeit, in der sich viele melden. Im zweiten Jahr werden es weniger, im dritten denkt kaum noch jemand daran. Der Tag aber kommt jedes Jahr wieder, und für den, der zurückgeblieben ist, ist er nicht kleiner geworden. Eine kurze Nachricht an diesem Tag, „Ich denke heute an dich“, kostet einen Satz und kann sehr viel bedeuten. Nicht, weil man etwas Kluges sagt, sondern weil man zeigt, dass man es nicht vergessen hat.

Rekindly kennt jetzt neben dem Geburtstag weitere Tage: Hochzeitstage, Jahrestage, Todestage, Namenstage, den Tag, an dem man sich kennengelernt hat, und eigene. Sie stehen im Briefing, unter „Heute“, in der morgendlichen Mail und, wenn du willst, im Kalender. Bei der Sprache war ich vorsichtig. Bei einem Todestag zählt Rekindly die Jahre seitdem und schreibt nie, jemand „werde“ etwas. Solche Kleinigkeiten fallen niemandem auf, solange sie stimmen, aber sie tun weh, wenn sie nicht stimmen.

Wissen ist nicht dasselbe wie erinnert werden

Beim Ausprobieren ist dann etwas aufgefallen, das ich vorher nicht bedacht hatte. Nicht alles, was man über einen Menschen weiß, möchte man jedes Jahr gemeldet bekommen. Vielleicht ist es der Jahrestag einer Beziehung, die längst vorbei ist, und man möchte trotzdem wissen, dass es ihn gab, um an diesem Tag nicht gedankenlos etwas Falsches zu sagen. Vielleicht ist es ein Tag, den jemand einem im Vertrauen erzählt hat und der nicht zwischen zwei Terminen im Kalender auftauchen soll.

Deshalb hat jeder Tag jetzt eine kleine Glocke. Ist sie aus, bleibt der Tag in den Details und im Briefing, dort, wo du ihn findest, wenn du dich auf ein Gespräch vorbereitest. Aber er erscheint nicht unter „Heute“, nicht in der Mail und nicht im Kalender. Rekindly weiß es dann, aber es drängt dir dieses Wissen nicht auf.

Ich halte das für eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein solches Werkzeug haben kann: zu wissen, wann es still sein soll. Eine App, die zu oft erinnert, ignoriert man irgendwann, und dann übersieht man auch die Erinnerungen, auf die es ankommt.

Kein Geburtstag doppelt

Aus demselben Grund gibt es eine Änderung beim Kalender-Abo, die eher technisch klingt. Wer seine Kontakte per CardDAV aufs iPhone holt, sieht deren Geburtstage dort ohnehin im Kalender. War im Abo zusätzlich „Geburtstage“ an, stand jeder Geburtstag zweimal da. Das ist kein Drama, aber es ist Rauschen, und Rauschen macht Erinnerungen weniger wert.

Jetzt kannst du wählen: keine Geburtstage, alle, oder nur die der indirekten Kontakte. Indirekte Kontakte sind die Menschen, die man über jemand anderen kennt, die Kinder einer Freundin oder der Partner eines Kollegen. Sie kommen absichtlich nicht ins Adressbuch des iPhones, denn man ruft sie selten selbst an. Aber man möchte wissen, dass der Sohn der Freundin morgen sechs wird, weil es der Freundin wichtig ist. Außerdem lassen sich Abos jetzt nachträglich ändern, ohne dass man einen neuen Link erzeugen und auf dem iPhone alles neu einrichten muss.

Was eine Software leisten kann

Bei alldem ist mir eines wichtig: Rekindly kann niemandem beibringen, an andere zu denken. Das kann keine Software, und es wäre seltsam, wenn sie es versuchte. An jemanden zu denken ist keine Aufgabe, die man abhakt. Es passiert einfach, beim Kochen, beim Lesen, wenn ein bestimmtes Lied läuft oder man an einem Café vorbeikommt, in dem man einmal zusammen saß.

Was eine Software leisten kann, ist bescheidener. Sie kann dafür sorgen, dass solche Momente nicht verloren gehen. Dass die Frage, die dir am Dienstag eingefallen ist, am Freitag noch da ist. Dass der Tag, den dir jemand vor drei Jahren anvertraut hat, nicht unbemerkt vorbeigeht. Und sie kann sich danach wieder zurückziehen, damit das Gespräch zwischen zwei Menschen stattfindet und nicht auf einem Bildschirm.

Zum Ausprobieren

Die Demo läuft bereits mit 0.3, mit ein paar Fragen und besonderen Tagen in den erfundenen Daten. Beim Update laufen drei Datenbank-Migrationen automatisch; ein Backup vorher schadet trotzdem nie. Bestehende Kalender-Abos behalten ihr Verhalten. Alle Änderungen stehen im Changelog, und wenn etwas fehlt oder nicht funktioniert, freue ich mich über eine Nachricht auf GitHub, gern auch auf Deutsch.

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